Letzter Akt

Das Hafendrama um unser Wohnmobil hatte heute, Montag seinen letzten Akt. Am späten Nachmittag konnte ich unser Wohnmobil in Empfang nehmen. Bereits seit Sonntag (normaler Arbeitstag in Saudi-Arabien) war ich ganztägig mit den Agenten unterwegs um die Herausgabe des Wohnmobils zu beschleunigen. Wir fuhren mehrfach zum Hafen, dann zur Reederei , dann zum Zoll, zu den Hafengesellschaften und so weiter. Es wurden mindestens 40-50 Telefonate am Tag seitens der Agenten geführt, zahlreiche Diskussionen wurden zum Teil sehr lebhaft geführt. Dazwischen gingen dann immer alle beten, danach bzw. davor Füße waschen (man betet hier fünf mal am Tag). Ich habe die offizielle Visastelle mit eingeschaltet und um Hilfe gebeten. Nach jedem beigebrachten Dokument freute man sich darauf, das es nun bald geschafft sei. Aber es waren regelmäßig neue Dokumente erforderlich, insbesondere um das Wohnmobil vom einen Hafenteil in den anderen Hafenteil zu befördern. Es war schwierig Fahrer im Hafen zu finden, da hierzu eine Berechtigung erforderlich ist. Wenn man einen mit viel Mühe gefunden hatte wurde dieser durch die Security angehalten und es wurden wieder andere Dokumente bzw. Freigaben verlangt, die der Fahrer aber nicht hatte und die wir dann wieder besorgen mussten. Ganz zum Schluss (das Fahrzeug stand schon vor dem Ausgabetor) fehlte für den letzten Stempel noch die elektrische Customsnummer. Das war die Nummer die wir von Anfang an nicht generieren konnten. Zuletzt wurden die Diskussionen dann im Customsbüro recht hitzig und laut. Den Vorgesetzten en war die ganze Angelegenheit sehr peinlich und man entschuldige sich mehrfach und man bot mir und meiner Familie sogar eine Unterkunft an. Plötzlich gesellte sich sich ein „Customsbroker“ (den ich vorher noch nicht gesehen hatte) dazu. Dieser durchschaute direkt die Probleme. Er führte einige Telefonate und sagte dann in spätestens 30 Minuten ist das Fahrzeug draußen. Anschließend fuhr er uns (meinen Agenten und mich) mit seiner neuen Mercedes  S-Klasse zur Ausgabestelle gab den Customsleuten noch ein paar Hinweise, welche Eingaben im System zu machen sind. Tatsächlich stand nach 30 Minuten das Wohnmobil da wurde kurz gecheckt und anschließend war sie Sache erledigt. Die Schuld für die ganzen Umstände wurde meinen Agenten gegeben. Sie hätten mit Fahrzeugimport keine Erfahrung, da diese meist nur Container bearbeiten. Normalerweise wäre solch eine Angelegenheit an einem Vormittag erledigt. Nun hatten wir schon viel Vorarbeit geleistet, allerdings könnte an der Einschätzung was dran sein. Am Wohnmobil selbst gab es durch den Transport keine Beschädigungen und es wurde auch nichts entwendet, auch wenn das Wohnmobil fast 12 Tage offen mit gesteckten Zündschüssel im Hafen stand. Der Hafen von Jeddah kann somit als sehr sicher bezeichnet werden. Das erste Ziel war dann eine Tankstelle. Dort hatte ich vor Freude fast Tränen in den Augen. Umgerechnet 39 Euro für 212 Liter Diesel! Macht 0,18 Euro pro Liter. Günstiger bekommt man Diesel nur noch im Iran. Auf dem Rückweg zum Hotel gab es dann leider einen kleinen Unfall. Der Straßenverkehr hier ist der bisher gefährlichste den ich je weltweit erlebt habe. Alle fahren wie sie Lust haben. Weder wird geblinkt, noch hält man sich an die Spur. Wo nur drei Spuren sind fahren trotzdem 5 nebeneinander. Im Kreisverkehr wird es deshalb besonders chaotisch und gefährlich. Hier wollte sich dann auch vor mir einer rein drängeln. Diesen habe ich aber nicht gesehen und so berührte ich Ihn mit meiner Stoßstange am hinteren Kotflügel. Das gab Dellen und Lackschäden am PKW, kleine Kratzer an meiner Stoßstange. Während der Weiterfahrt zwangen die beiden Insassen mich zum Anhalten. Sie zeigten mir den Schaden und erzählten aufgeregt was auf arabisch. Ich antwortete unaufgeregt in Englisch und mit deutlichen Gesten und machte Ihnen klar dass ich nicht der Schuldige bin und ich jetzt weiterfahre, da ich nicht den Verkehr blockieren kann. Das tat ich dann auch. Bis zum Hotel waren es noch 700 Meter und ich war davon ausgegangen dass die beiden mich weiter verfolgen werden. Das taten sie aber nicht und fuhren dann in eine andere Richtung. Offensichtlich hatten sie eingesehen das ich nicht der Schuldige war. Nun ja … Glück gehabt. Mit Beifahrer wird es dann zukünftig wieder einfacher. Am Abend mussten wir noch mit einem unserer Kinder ins Krankenhaus, da hier seit gestern Fieber aufgetreten war. Hier sind wir recht sensibel da wir uns recht lange im Malariagebiet aufgehalten haben. Ferner gibt es auch in Saudi Arabien das Denguefieber. Nach einer kurzen Untersuchung in einem sehr professionellen Krankenhaus um die Ecke stellte sich heraus, dass es sich um eine Mittelohrentzündung handelt. Ausgestattet mit den erforderlich Medikamenten konnten wir nach 1 Stunde wieder zurück ins Hotel. Nun hoffen wir das in 1-2 Tagen alle wieder fit sind. Danach können wir uns dann endlich auf den Weg Richtung Oman machen.   


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